Wohnüberbauung Dorfstrasse «The Moss», Kilchberg

Kategorie
Wohnen
Ort
Kilchberg
Auftragsart
Studie
Vorprojekt
Projektierung
Jahr
2024—
Status
Zukünftiges
Brückenschläger
Ein Ensemble aus fünf Körpern macht den Spagat zwischen Historie und Heute: zwischen der Kernzone, unterschiedlichen Nachbarschaften und auf der Suche nach einem adäquaten Ausdruck.

Wer vom See her zum Dorfzentrum lenkt, passiert ein geschütztes Ensemble aus dem vorletzten Jahrhundert. Bestehend aus Hauptgebäude, Scheune und Waschhaus, prägt es das Ortsbild des Strassendorfs. Gleich dahinter lag eine riesige Wiese, die Widerstand weckte: Ein privater Gestaltungsplan, der sich an einer Gehöft-Anlage orientierte, verortete die intendierte Überbauung eigens am Arealrand. Im Zusammenspiel mit dem Bestand sollte so der grosse, baumbestandene Freiraum möglichst erhalten und allgemein zugänglich bleiben. Nach Jahren der Mediation und Konsensfindung etablieren nun fünf Kuben ein subtiles Beziehungsgeflecht, das zwischen den diametralen Massstäben der Nachbarschaft vermittelt.

Ebenso erforderte die visuelle Integration der Neubauten den Spagat zwischen Historie und Heute. Der Bestand wurde ideell kontextualisiert und in eine moderne Sprache überführt, ohne sich formal anzubiedern. Die scharfkantigen Häuser geben sich kraft ihrer Geometrie und Materialisierung als klar abgegrenzte Einheiten, in der das Private privat bleibt. Ihr eleganter, zurückhaltender Charakter beruht nicht nur auf der einfachen Kubatur, sondern auf Holzkleidern aus vertikalen Lamellen. Als Verkleidung spielen sie mit der Tiefenwirkung und Überlagerung zweier Ebenen – und verschleiern Blicke aufs Dahinter.

Selbst Teile der grossformatigen Fenster und geräumigen Übereckloggien sind von Lamellen bedeckt. Zum einen, um in einen respektvollen Dialog mit der Kernzone zu treten. Zum anderen, um die Aufmerksamkeit auf die Haptik und Sinnlichkeit der Oberflächen zu richten. Die feine Reliefwirkung wird in der Horizontalen durch dünne, weitausgreifende Blechprofile unterstützt, die – Brand- und Witterungsschutz geschuldet – zu den Licht- und Schattenspielen beitragen. Einher geht diese warme Stofflichkeit mit einem textilen Sonnenschutz und in erdigen Macchiato-Tönen. All dies über Sockeln aus gestocktem Beton, die die Kuben fest im abfallenden Terrain verankern. (mc)