Städtische Brachen sind eine ausgestorbene Spezies. So auch in Zürich-Affoltern, im durchgrünten Wohngebiet. Dennoch hatte sich hier mittendrin und im Übergang zur Freihaltezone ein Grundstück hartnäckig gehalten, flankiert von einer Nachbarschaft aus kleineren, freistehenden Mehrfamilienhäusern. Jenseits der Strasse bestimmen sodann Zeilenbauten sowie eine mächtige, unkonventionelle Typologie das Bild. Letztere wurde mit der Wohnsiedlung Schürliweg eingeführt – damals ein polarisierender Entwurf. Wie also sollte sich hier ein neuer, ebenfalls grösserer Bau einfügen und auch noch vermittelnd auf Tuchfühlung mit dem Bestand gehen?
Mit herkömmlichen Wohnbautypologien war auf dem trapezförmigen Grundstück wenig auszurichten, sei es aufgrund nicht einzuhaltender Grenzabstände oder mangelnder städtebaulicher Integration. Die Lösung lag in einer neuen, hybriden Spezialtypologie; gewissermassen in einem «grossen Haus auf zwei Schienen». Sie basiert auf einem Split-Level-Prinzip, das im Zusammenspiel mit den Versätzen und Einkerbungen des Hauses den Massstab bricht und zum Kontext vermittelt. Der Entwurf ist also zweierlei; Doppelriegel und Punktlandung mit leicht verschobener Achse. Gleichsam changiert je nach Standpunkt das Erscheinungsbild.
Frontal von der Strasse oder grünen Wiese aus sind die drei je halbgeschossig versetzten Gebäudeteile gut erkennbar. Sie bilden eine markante Zäsur zum Grün. Aus schrägem Blickwinkel offenbart der Bau indes eine – leicht versetzte – Janusköpfigkeit. Der Eingang sticht in die westliche Flanke des Sechsspänners, der mit nur einem einzigen Kern auskommt. Zwei dreiläufige Treppen und Lifts erschliessen 22 Wohnungen. Sie profitieren von mehrseitiger Besonnung und teils direkter Sicht in die Freihaltezone. Im Attika gibt es gar eine Einheit auf zwei Niveaus. Dabei wirkt das Haus elegant-unaufgeregt. Einheitliche, stehende Fensterformate perforieren das graue Plattenkleid und bändigen die Hausabwicklung.(mc)