Nur wenige Jahre nach der Eröffnung platzte das Mutterhaus bereits aus allen Nähten. Erweiterungspläne für 600 Schüler endeten auf einer Parzelle schräg vis-à-vis. Wie schon beim Vorgänger wurde aus dem Gebot der Sparsamkeit eine Tugend gemacht: Alle Nutzungen stapeln sich in die Vertikale – selbst der Freiraum. Eingepasst auf ein knappes Grundstück im Industriegebiet, schieben sich die Geschosse übereinander. Die obersten zwei verhelfen dem Gebäude mit ihrem Vorsprung zu einem überdachten Vorplatz und markanten Auftritt an der Strasse. Die fünfte Fassade wird kompensatorisch zur Pausenlandschaft und zu einem Sonnenfänger für Solarpaneele.
Der bewusste Mitteleinsatz bedient sich einer stringenten Typologie. Halb im Erdreich, befinden sich zwei Turnhallen, die am Abend lokalen Vereinen offenstehen. An der Strasse macht ein Eckeingang eine einladende Geste. Via Foyer gelangt man ins Innere und in den Theatersaal als sozialem Mittelpunkt. In der ersten Etage liegen U-förmig die Räume der Verwaltung und einige Klassenzimmer, während zur Strassenfront die Mensa in zwei Schichten 600 Essen ausgibt. Herzstück der Unterrichtsgeschosse ist ein Atrium, dessen hohe Betonstützen oben und unten verweben. Drumherum liegen aufgereiht die Schulzimmer. Über Bandfenster lichtgeflutet und in Weiss gehalten, lassen sie die im Verhältnis geringen Flächen von 66m2 vergessen.
In den Fluren bieten Farben Orientierung. Ebenso die Materialisierung – die mit didaktischem Anspruch roh belassen – die verschiedenen Elemente konstruktiv und atmosphärisch verbindet: Sichtbetonwände, farbige Linoleumböden, naturbelassene Akustikpaneele und offene Deckenleitungen lassen alle Räume zwischen Einheit und Vielfalt pendeln. Aussen wird die dem städtebaulichen Umfeld angemessene Robustheit und kubische Erscheinung mittels umlaufender Trapezblech-Bänder weichgezeichnet. Im Gegenzug zur disziplinierten Kargheit sowohl der Materialien als auch des Volumens sind die Fenster, Türen und Stoffmarkisen farblich abgesetzt. (mc)